IBA Berlin

Die Innen­stadt als Wohn­ort

30 Jahre nach der Interbau wurde Berlin erneut Austragungsort einer IBA. In bewusstem Kontrast zur Interbau 1957 war die Wiederentdeckung und Rückgewinnung der durch Krieg und Mauerbau weitgehend zerstörten historischen Innenstadt das zentrale Thema der IBA 1984/87. Die vorhandene Stadt sollte in innerstädtischen Demonstrationsgebieten des damaligen West-Berlins kritisch rekonstruiert, repariert und als Wohnort bewahrt werden.

Fortschritts- und Modernitätsbestreben prägten die Stadtentwicklung bis in die 1960er und 1970er Jahre. Ganze Viertel wurden für den Wiederaufbau abgerissen und Neubausiedlungen am Stadtrand gebaut. Die Abkehr von der historischen Stadt stieß jedoch zunehmend auf Kritik und Widerstand. Die IBA Berlin entwickelte zwei unterschiedliche Ansätze zur innerstädtischen Stadtentwicklung: IBA-Neubau und IBA-Altbau.

Unter der Leitung von Josef Paul Kleihues thematisierte die IBA-Neubau die kritische Rekonstruktion der historischen Stadt. Schwerpunkte waren die Südliche Friedrichstadt, das Südliche Tiergartenviertel und der Tegeler Hafen mit zahlreichen, von deutschen und internationalen Architekten realisierten Neubauprojekten.

Die IBA-Altbau unter Leitung von Hardt-Waltherr Hämer reagierte auf massive Proteste und Wohnungsnot, die ab 1979 zu illegalen Instand(be)setzungen in Kreuzberg geführt hatten. Anliegen der IBA-Altbau war die „Rettung der kaputten Stadt“ durch behutsame Modernisierung und Umnutzung bestehender Gebäude. Mit ihren Pilotprojekten rief sie Förderprogramme zur behutsamen Stadterneuerung ins Leben und bewirkte grundlegende Änderungen der Normen für die Stadtsanierung und den sozialen Milieuschutz.

Die IBA Berlin schrieb mit den Leitbildern der behutsamen Stadterneuerung und der kritischen Rekonstruktion der Stadt europäische Städtebaugeschichte. Damals noch Experiment, gehören die in diesem Rahmen entwickelten Instrumente und Lösungen heute zu den Standards moderner Stadtentwicklung. Dazu zählen die Bürgerbeteiligung, ökologisches Bauen, neue Wohnformen oder die Umnutzung von Gebäuden.

Der Berliner Senat gründete und finanzierte die unabhängige Bauausstellung Berlin GmbH. Die IBA-Neubau wurde 1987 beendet, während die IBA-Altbau bereits 1985 aus dem GmbH-Dach herausgelöst wurde und bis heute als private S.T.E.R.N. GmbH fortbesteht.

Innenhof des Ökoprojekts Block 6 mit Pflanzenkläranlage, 1991 © Landesarchiv Berlin, F Rep. 290 Nr. 0332123 / Foto: Edmund Kasperski
Öko­pro­jekt Block 6
Pi­o­nier­leis­tung für den öko­logischen Stadtumbau
Eckhaus am Fraenkelufer / Admiralstraße von Hinrich und Inken Baller, 1989 © Landesarchiv Berlin, F Rep. 290 Nr.0016906 / Foto: Edmund Kasperski
Block 70
Neu­bau und behutsame Erneuerung am Fraenkelufer
Blick auf die Admiralsfraße in Richtung Fraenkelufer, im Hintergrund das Eckhaus von Inken und Hinrich Baller, 1989 © Landesarchiv Berlin, F Rep. 290 Nr. 0016908 / Foto: Edmund Kasperski
Selbst­bau­ex­pe­ri­ment Wohn­re­gal
Die Wieder­ent­deck­ung der Genossenschaften
Haus am Checkpoint Charlie von Peter Eisenman, 1986 © Landesarchiv Berlin, F Rep. 290 Nr.0284763 / Foto: Günter Schneider
Wohn- und Geschäftshaus am Check­point Char­lie
Neu­bau im städtebau­li­chen Kontext
Die Kindertagesstätte nach dem Umbau des Parkhauses mit Dachgarten und überdachtem Innenhof, 1987 © FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum, Lizenz RR-F
Kinder­tages­stätte Dres­dener Stra­ße
Ein Park­haus wird zum Kinderhaus
Team der IBA Berlin 1987 vor dem Büro, mit den Direktoren Hardt-Waltherr Hämer (oben Mitte), rechts Josef Paul Kleihues © FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum, Lizenz RR-F
12 Grund­sätze der behut­samen Stadt­er­neue­rung
Ein paradigmatischer Wan­del in der Stadt­entwicklung

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