Interbau Berlin

Wettstreit der Systeme

1948 war Berlin eine geteilte Stadt – die politische Spaltung nach dem Zweiten Weltkrieg durch Währungsreform und Blockade vollzogen. Auch in der Stadtentwicklung schlugen Ost und West unterschiedliche Wege ein. Die Stalinallee in Ostberlin und die Westberliner Bauausstellung Interbau im Hansaviertel sind Ausdruck dieser Teilung.

Berlin war vom Krieg zerstört. Zum Neuaufbau reiste eine Delegation führender Architekten und Stadtplaner der DDRDDR Deutsche Demokratische Republik im Jahr 1950 nach Moskau. Nach Anweisung ihrer sowjetischen Kollegen formulierten sie die 16 Grundsätze des Städtebaus. In wenigen Wochen wurden die Mitte Berlins und die Stalinallee als zentrales Rückgrat der Hauptstadt der DDR geplant. Es entstanden monumentale Wohnpaläste für Arbeiter mit historischen Stilelementen, die sich an der Formensprache Karl Friedrich Schinkels orientierten. Hermann Henselmann war der führende Architekt. Städtebaulich wurde an Grundprinzipien der traditionellen Stadtbaukunst angeknüpft. Heute ist die Karl-Marx-Allee, wie die Straße seit 1961 heißt, ein Kulturdenkmal von europäischem Rang.

Als Antwort auf die Stalinallee präsentierte die Interbau 1957 ein Exempel für die „Stadt von Morgen“. Unter Leitung von Otto Bartning wurde das neugebaute, großbürgerliche Hansaviertel zum Prestigeobjekt für die Zurschaustellung der Überlegenheit des Westens gegenüber dem Osten. Auf Grundlage eines städtebaulichen Wettbewerbs wurden 53 international bekannte Architekten ausgewählt, darunter Alvar Aalto, Johannes Hendrik van der Brook, Jacob Berend Bakema und Pierre Vago. An die Stelle der alten Blockbebauung trat ein Mix aus Hoch- und Flachbauten inmitten einer Parklandschaft. Das Hansaviertel steht heute als städtebauliches Beispiel für die Flächensanierung der Moderne.

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